Dienstag, 6. Oktober 2015

Trau Deinen Träumen



Trau Deinen Träumen!

 Heute gibt es etwas Persönliches und ich schreibe als Kerstin Lingemann

 

           

Am Anfang eines jeden Weges steht ein Traum. Träume geben mir Hoffnung, halten mich aufrecht, lassen mich immer weiter gehen. Sie helfen mir, Entscheidungen zu treffen und Neues zu wagen. Sie tragen dazu bei, dass ich meinen eigenen Weg gehe; meinen Weg, der nicht immer gerade ist, dessen Ziele sich auch einmal verändern, ein Weg, auf dem ich Menschen zurückgelassen und liebgewonnene Gewohnheiten aufgegeben habe, um weiterzukommen.
Ohne meinen Wunsch, mich irgendwann als Autorin selbstständig zu machen, wäre ich nicht bis hierhin gekommen. Und irgendwann ist jetzt. Im April 2015 ist der Traum für mich in Erfüllung gegangen: ich habe mein erstes Buch veröffentlicht. 
Doch dorthin zu gelangen, das war jahrelange Arbeit. Ich wurde nicht von heute auf morgen Autorin, sondern mein Weg begann vor über einem Jahrzehnt.



Wie ich Autorin wurde

Bereits als Schulkind wollte ich schreiben. Damals wusste ich aber noch nicht, worüber ich schreiben sollte. Also habe ich meine Schulnotizen zuhause fein säuberlich abgeschrieben, in Schönschrift versteht sich. Immer wieder habe ich es genossen, Selbstgeschriebenes anzusehen, und manchmal erneut abzuschreiben. Auch heute noch schreibe ich handschriftlich.

Nach meiner Ausbildung habe ich diese schöne Eigenschaft leider vernachlässigt. Ich wurde Kommunikationselektronikerin und ging den Weg, den ein Facharbeiter so geht. Ausbildung, Geld verdienen, einen Job finden und arbeiten. Ich habe mein Elternhaus verlassen und bin nach Frankfurt gezogen, habe meinen Mann kennengelernt und mein Leben gelebt.

Mein Beruf hat mich bis dahin auch immer erfüllt. Ich arbeitete im Büro, lernte interessante Menschen kennen und entwickelte mich persönlich weiter. Doch ich wollte nicht mit Anfang 20 schon täglich meinen Job verrichten und auf die Rente warten. Ich dachte daran, das Abitur nachzuholen und zu studieren. Doch diesen Gedanken verwarf ich bald wieder. Denn eigentlich wollte ich nur schreiben.


Als ich 2004 schwanger wurde, sah ich meine Chance. Ich wollte nach der Geburt nicht mehr arbeiten, sondern Elternzeit nehmen und diese Gelegenheit nutzen, mich selbst zu verwirklichen. Bereits während der Schwangerschaft begann ich, Tagebuch zu schreiben. Kurze Zeit später veröffentlichte ich im Internet Erfahrungsberichte. Um nicht meinen Realnamen zu nutzen, registrierte ich mich im Internet immer unter dem Usernamen Yolante, den ich bis heute quasi als Pseudonym beibehalte. Inzwischen betreibe ich unter dem Namen sogar diesen Blog.

Weiter ging es aber zunächst mit einem Versuch, ein Buch zu veröffentlichen, dass sich mit dem Thema HELLP-Syndrom, einer Schwangerschaftsvergiftung beschäftigte. Meine erste Schwangerschaft verlief nämlich nicht ganz unkompliziert: wochenlang haben mein Mann und meine Familie um mich und unsere Tochter gebangt. Am Ende lief zwar alles glatt, aber ich wollte meine Erfahrungen teilen und in einem Erfahrungsbericht veröffentlichen. Doch ich habe damals keinen Verlag gefunden, der mich unterstützen wollte. Selfpublishing kam zu jener Zeit für mich noch nicht infrage.

Ich fühlte mich unsicher…zurückgewiesen…unerkannt.

Doch Aufgeben wollte ich natürlich nicht. Während meine Tochter Schubläden ausräumte und zerrissene Taschentücher darin verteilte, schrieb ich weiter. Mein Sohn wurde geboren, die Zeit zum Schreiben wurde weniger und weniger. Dennoch: wann immer ich Zeit hatte, veröffentlichte ich kleine Artikel im Internet.

Nach fast sechs Jahren Elternzeit musste ich mich entscheiden: zurück in den Job oder Kündigung. Damals hatte ich noch nicht den Mut, meine sichere Stelle in einem Konzern aufzugeben. Zum Glück war mein Arbeitgeber so kulant und hat mir eine Teilzeitstelle angeboten, so dass ich trotz Kindern meinen Beruf ausüben konnte. Ich arbeitete 20h/Woche im Büro und kümmerte mich nachmittags um meine lieben Kinder. Zum Schreiben blieb mir damals eigentlich keine Zeit.
Dennoch schrieb ich. Ich belegte einen Fernkurs bei der Schule des Schreibens, weil ich es endlich richtig machen wollte. Drei Jahre lang habe ich neben Beruf und Familie kreatives Schreiben studiert und zusätzlich an meinem Buch „Lauf einfach!“ geschrieben. Ich wollte mir selbst beweisen, dass es möglich ist, trotz harter äußerer Umstände dieses Ziel zu erreichen.
Und wer mein Buch kennt oder auch nur den Titel liest, der weiß, dass ich nicht nur schreibe, sondern auch laufe. Alles zusammen ist sehr anstrengend und wuchs mir irgendwann über den Kopf. Ich nahm mir fest vor, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, damit ich meinen Job aufgeben und die Schriftstellerei zu meinem Lebensinhalt machen konnte. Ich begann als Freelancer Textarbeiten zu erledigen, die mir mehr Einnahmen brachten als ein Taschengeld. Ich machte mich nebenberuflich selbstständig. Allerdings litt meine Familie sehr unter dieser Belastung. Beruf, Familie, Hobby und eine nebenberufliche Tätigkeit ließen sich nicht ewig unter einen Hut bringen.

2012 dachte ich dann zum ersten Mal über Kündigung nach. Doch der komplette Ausstieg aus dem Job schreckte mich auch ab. Zu viel stand auf dem Spiel. Eine sichere Stelle in einem Großunternehmen mit guter Bezahlung und sozialen Vorteilen gibt man nicht einfach so auf. Die Entscheidung für den Ausstieg war die schwerste meines Lebens.  Und so quälte ich mich über zwei Jahre, ehe ich meinen Job im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Unternehmen schließlich doch an den Nagel hängte, um wieder mehr Zeit für meine Familie zu haben und natürlich, um meinen Weg zu gehen.





Mein neues Leben

Mein letzter Arbeitstag hat mich traurig gemacht. Die Kollegen waren mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich sie am liebsten alle mitgenommen hätte auf meinem neuen Weg. Der Abschied fiel mir so schwer, dass ich am nächsten Tag nicht schreiben konnte, obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte. Ich tippte keine einzige Zeile. Noch nicht einmal mein geliebter Füller konnte mich aufmuntern.
Stattdessen plagten mich Selbstzweifel, ob das wirklich die richtige Entscheidung war. Schließlich war ich arbeitslos. Für eine richtige Selbstständigkeit verdiente ich noch nicht genug. Und als Arbeitslose fühlte ich mich entwertet und alleine. Das war hart, ich kämpfte an diesem ersten Tag meines neuen Lebens so sehr mit den Tränen, dass es wehtat.

Heute, knapp ein Jahr später, weiß ich, dass die Entscheidung richtig war. Ich habe meine Notizen abgetippt, als Buch veröffentlicht und mich mit Marketing auseinandergesetzt. Jeden Tag kamen neue spannende Aufgaben hinzu und ich bilde mich immer noch weiter. Plötzlich kannte ich mich mit Facebook aus und war in der Lage, meine eigene Autorenseite zu betreiben. Meine Erfahrungsberichte habe ich ausgebaut. Inzwischen teste ich für Unternehmen und privat die unterschiedlichsten Produkte und schreibe darüber. Dazu habe ich meinen eigenen Blog aufgebaut. Außerdem arbeite ich an einem zweiten Buch.

Genau genommen stehe ich aber immer noch am Anfang meines neuen Lebens, denn leben kann ich davon noch nicht. Wir gestalten unser eigenes Familienmodell: mein Mann stemmt als Angestellter die finanzielle Last und ich, die Frau, bleibt zuhause, kümmert sich um die Kinder und verwirklicht sich selbst. Dennoch verliere ich nicht mein Ziel aus den Augen: vom Schreiben leben können.

Und in diesem Sinne möchte ich diesen Beitrag, den ich als Bewerbung für den ERGO Blog Award „Dein Weg“ einsende, abschließen mit einem Zitat, das mich immer wieder bewegt:


„Ihr aber seht und sagt: Warum?
Aber ich träume und sage: Warum nicht?“
- George Bernard Shaw -


Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche allen Lesern viele Träume und den außerordentlichen Mut, sie in die Tat umzusetzen.


Kerstin Lingemann

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