Freitag, 12. Februar 2016

Ein guter Blog ist ein ehrlicher Blog

Es ist wieder Freitag, das heißt: Webmasterfriday

Diese Woche fragt Martin nach der Ehrlichkeit im Blog. Er spricht sogar von 2. Existenz.

 

Wie ehrlich sollte man im Blog sein?
Meine Antwort:

Sehr ehrlich.
 
 

Ein Blog ist keine Karnevalsparty, auf der jeder sein Gesicht hinter einer Maske verstecken sollte. Natürlich erlaubt das Internet jede Menge Anonymität, aber letztendlich sitzt vor jedem Computer ein echter Mensch, der all die Texte liest, die sich die Person hinter dem Blog ausdenkt. Und auch der Blogger selbst ist schließlich echt. Warum also etwas vorgaukeln? Und vor allem wem?

Der Leser will mehr erfahren, entweder über ein bestimmtes Thema oder über die Menschen. Beides erfordert Authentizität, niemand ist an falschen Informationen interessiert, oder an gespielten Gefühlen.

 

Perspektivwechsel: Ich als Leser

Wenn ich mich als Leser betrachte, dann erwarte ich, dass Informationen gut recherchiert wurden und ein hohes Maß an Genauigkeit besitzen. Ich will das Gefühl haben, etwas gelesen zu haben, worauf ich mich verlassen kann. Außerdem fühle ich mich besser aufgehoben, wenn alles seine Richtigkeit hat und im Text keine Widersprüche entstehen. Jemandem zu vertrauen, der selbstdarstellerisch in den höchsten Tönen sein Fachwissen zu einem Thema preisgibt, aber kein Impressum veröffentlicht, schießt sich gleich selbst ins Aus. Lies, was Du liest, aber frag bloß nicht nach, ist der Tenor. Solche Dinge verursachen in mir eine gewisse Skepsis.

Auch, wenn ich auf einen Blog stoße, der zwar persönlicher Natur ist, aber nicht wirklich etwas über den Schreiber preisgibt, gehe ich auf Abwehrhaltung. Warum teilt der Schreiber seine Gefühle im Blog mit, gibt sich aber nicht zu erkennen? Was befürchtet er? Warum schreibt er überhaupt in einem Blog? Wäre er nicht in einem Forum besser aufgehoben? Solche Fragen gehen mir dann durch den Kopf. Ich frage mich, ob die Geschichten auf dem Blog dann wirklich echt sind, oder ob es sich nur um eine theatralische Inszenierung handelt.

Ich spüre einfach eine gewisse Unruhe, wenn ich das Gefühl habe, hier stimmt etwas nicht. Lügen haben kurze Beine, sagt der Volksmund, und das ist auch im Blog so. Die Unehrlichkeit schwingt zwischen den Zeilen mit, und das Leseerlebnis wird geschwächt, ich meide den Blog dann eher.

Hinter den meisten Blogs, denen ich folge oder die ich öfter lese, stehen ehrliche Persönlichkeiten, und ich wäre ziemlich enttäuscht, wenn ich erfahren würde, dass alles nur ein Fake war. Denn gerade die Texte in Blogs sind so anziehungsvoll, weil echte Menschen dahinterstecken. Ein Roman ist irgendwann zu Ende, ein Blog geht weiter, ich kann mich mit den Gefühlen identifizieren und mitfiebern, Änderungen im Leben anderer verfolgen und darüber hinaus auch echte Kontakte knüpfen.

 

 

Mein eigener Blog: ein offenes Pseudonym – ist das ehrlich genug?

Yolante ist nicht mein richtiger Name. Viele Leser sollten das inzwischen gemerkt haben. Der Name kam zustande, als ich im Jahre 2004 mit dem Schreiben und Veröffentlichen im Internet anfing. Damals war ich unsicher. Ich wusste nicht sehr viel über das Internet. Und ich kannte auch kaum Leute, die viel mit dem Internet zu tun hatten. Jeder nutzt es, aber niemand weiß etwas genaues darüber, so meine Meinung damals. Sei vorsichtig! Gib nicht so viel preis! Halte Dich zurück! – so die ratgeberischen Worte. Aber seit ich mein Buch veröffentlicht habe und vor der Entscheidung stand: Pseudonym oder Realname; seitdem nehme ich das etwas gelassener. Ich äußere meine Meinung zu einem Thema, meistens zu Produkten oder Dienstleistungen, und da ist es nur recht, auch zu sagen, wer ich überhaupt bin.

Der Yolante Blog heißt deshalb so, weil ich auf einer Plattform im Internet gerne einen Usernamen haben wollte, der zwar nach einem echten Namen klingt, mich aber dennoch entkoppelt, quasi zwei Menschen aus mir macht: die echte Kerstin, die ein reales Leben führt – und eben Yolante, die Internetkerstin, die stilistisch aufbereitete Texte ins Netz stellt, die überdenkt und überarbeitet, was sie da schreibt und eben nicht umgangssprachlich alles rauslässt, was gerade beim Atmen so raus will.

Und da ich lange als Yolante im Internet unterwegs war, wollte ich das gerne beibehalten. Einmal traf ich auf andere User im realen Leben und bin im Gespräch als Yolante gleich erkannt worden. „Ah, die mit dem blauen Hut“, hat derjenige gesagt. Und da dachte ich mir: ok, dein Profilbild und der Name haben einen gewissen Wiedererkennungswert. Das behältst Du bei. Gesagt, getan, und so blieb ich bei meinem damaligen Usernamen, der inzwischen ein offenes Pseudonym geworden ist.

Ist das nun ehrlich genug? Das weiß ich selbst manchmal nicht genau. Vielleicht ist das eine Frage, die sich jeder Leser selbst beantworten muss.

 

Als Blogger neu erfinden

Das Schöne am Blog ist, dass ich mich tatsächlich neu erfinden kann. Ich kann dort Themen behandeln, die ich im realen Leben niemals ansprechen würde, entweder, weil mir die richtigen Gesprächspartner fehlen oder ich Angst habe, etwas Falsches zu sagen, weil ich Angst vor Kritik habe oder gar keine Reaktion mehr fürchte als eine Schlechte.

Ich schreibe einfach auf, was ich denke, und dann kann es jeder lesen, der es wissen will. Ein Jeder kann sich mit dem Geschriebenen identifizieren oder sich abgrenzen, ohne, dass ich es unbedingt wissen muss.

Insofern bin ich als Bloggerin ein anderer Mensch als im Real Life. Da traue ich mich auch mehr, erlebe mich selbst bewusster und erlebe eine andere Art von Kontakt als zuhause.

Außerdem habe ich ja auch die Möglichkeit, mich selbst anders darzustellen, als ich eigentlich bin. Aber selbst wenn ich mich im Netz anders gebe als in Wirklichkeit, muss eine Ehrlichkeit gegeben sein, ohne die ein Blog nicht gut läuft. Widersprüche sind menschlich, ich kann heute eine andere Meinung vertreten als vor Wochen noch. Das meine ich nicht. Ich meine, man sollte wenigstens so ehrlich sein, die einmal aufgebaute Maske nicht zu verändern. Und das ist das Schwierigste, wenn jemand einen unehrlichen Blog führt. Ich könnte das nicht: Jemand anderer sein. Das würden meine Leser zwischen den Zeilen spüren und nicht mehr kommen.  

Damit lasse ich es gut sein. Vielleicht habt ihr ja eine ganze andere Sicht auf die Dinge und beteiligt euch ebenfalls mit einem Beitrag. 
 

Liebe Grüße
Kerstin  

Alias Yolante – die mit dem blauen Hut

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