Donnerstag, 17. März 2016

Auf dünnem Eis


Sind wir nicht alle ein bisschen Böse?


Hallöchen,


heute geht es auf dem Yolante Blog um das Böse. Genau gesagt um böse Menschen. Lydia Benecke hat sich in ihrem Buch intensiv damit beschäftigt. Und ich habe es gelesen.
 

Auf dünnem Eis

Die Psychologie des Bösen



Autorin: Lydia Benecke

Bastei Entertainment
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Paperback); Auflage: Nachdruck. (11. Oktober 2013)
14,99€
E-Book
11,99€ 
Die Autorin behandelt in diesem Sachbuch die Psychologie der Täter. Was geht in einem Schwerverbrecher vor? Und wie nah sind diese Eigenschaften an uns allen?


 

Inhalt 


Das Buch ist in 9 Kapitel gegliedert, die zwar in gewisser Weise aufeinander aufbauen, aber auch unabhängig voneinander gelesen werden können, der Inhalt bleibt dennoch verständlich.

Die Autorin führt uns in die Innenwelt echter Psychopathen, die teilweise schwere Straftaten begangen haben. Sie plädiert dabei keineswegs für Verständnis um die Täter, sondern versucht, Vorurteile gegenüber Psychologen, die sich mit denen beschäftigen, abzubauen.
Außerdem will sie vermitteln, dass die Wissenschaft in dem Bereich der forensischen Psychologie wichtige Dienste für unsere Gesellschaft leisten kann, einfach indem sie die Denkweise von Psychopathen sachlich betrachtet und eventuell Straftaten verhindert werden können. Mit der richtigen Herangehensweise können durch die Forschung bereits im Kindesalter psychopathische Eigenschaften entdeckt und möglicherweise in eine positiv Richtung gelenkt werden, so dass selbst psychopathisch veranlagte Menschen niemals zu einer Gefahr für die Allgemeinheit werden können.
Sie stellt die Eigenschaften, die Psychopathen ausmachen dar und zeigt, warum die Täter teilweise nicht anders handeln können, warum sie kaum Reue oder Schuldgefühle zeigen und wieso sie aus diesem Teufelskreis nicht alleine ausbrechen können. Außerdem macht sie deutlich, dass Therapien in Gefängnissen durchaus sinnvoll sind und auch Straftätern ein Leben nach dem Knast ermöglichen können.
Im zweiten Teil des Buches geht sie speziell auf Eigenschaften ein, die jeder Psychopath mehr oder weniger in sich vereint. Demzufolge schlummern auch in einigen ‚normalen‘ Menschen böse Eigenschaften, die sie aber nie zu einem Verbrechen verleiten würden.
Manchmal sorgen auch erst äußere Umstände dafür, dass Täter überhaupt zu Tätern werden, etwa wenn sie durch andere bedroht oder beeinflusst werden.
Sie verzichtet auch nicht darauf, uns vorzuführen, dass in jedem von uns Böses stecken kann. Dazu wählt sie aussagekräftige Gedankenexperimente, die zum Nachdenken anregen.
 

Warum lese ich sowas?


Sind wir nicht alle ein bisschen Böse? Genau auf diese Frage versucht die Autorin Antworten zu finden. Wir sind fasziniert von dem Bösen, wir lesen Psycho-Thriller, gucken Woche für Woche Tatort oder schauen begierig Serien wie CSI. In der Literatur ist das auch alles kein Problem, solange wir nicht selbst betroffen sind oder uns bedroht fühlen.

Nun bin ich selbst nicht die klassische Leserin von Krimis oder Thriller, aber Filme gucke ich mir auch an. Und ich möchte schon verstehen, warum jemand so etwas tut. Den Bösewicht nur Böse darzustellen, das gefällt mir in Film und Literatur auch nicht. Ich will verstehen, warum jemand in der Lage ist, Verbrechen zu begehen.
Es interessiert mich, was in jemandem vorgeht, der in der Lage ist, anderen Menschen Leid anzutun, ohne dabei mit der Wimper zu zucken. Mitleid scheint diesen Menschen fremd zu sein. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass es keinerlei Gefühlsregungen in bösen Menschen gibt. Und genau da liegt mein Interesse. Es geht in dem Buch eben nicht um Fiktion, sondern um echte Psychopathen. Die Autorin führt Interviews mit Tätern und zeigt sachlich, was jemand dabei denkt und fühlt, oder eben nicht fühlt. Dass es hier um wahre Geschichten geht, das finde ich spannender als es mir ein Roman je vor Augen führen könnte.
 

Meine Meinung zum Buch


Die Autorin schreibt sehr sachlich, fast wissenschaftlich. Sie versucht zwar, den Inhalt aufzulockern, aber am Ende liefert sie eher Fakten als Gefühle. In dieser Hinsicht war ich etwas enttäuscht. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass sie auf Gefühlsduseleien verzichtet, sondern es spiegelt einfach die Innenwelt eines Psychopathen am besten wider. Böse Menschen erleben die Gefühlswelt eher sachlich. Und das ist es, was ich hauptsächlich mitgenommen habe. Menschen, die skrupellos Verbrechen begehen, haben einfach keine Gefühle wie Mitleid, Schuld, Reue oder Nächstenliebe. Sie tun nur, was für sie selbst im Jetzt den Kick bringt.

Das erklärt auch, warum es Straftäter gibt, die nach schweren Vergewaltigungen oder gar Mord keine Reue zeigen oder sich bei den Opfern entschuldigen. Als ich das kapiert habe, tauchte unwillkürlich die Frage auf, ob es so etwas wie Gerechtigkeit wirklich geben kann? Denn wenn ein Täter seine Tat in keinster Weise bereut und eine Gefängnisstrafe als notwendiges Übel oder als „Kosten“ hinnimmt, dann kann sich das Opfer doch nicht gerecht behandelt fühlen, auch von der Justiz nicht.
 

Fazit 


Auf dünnem Eis – der Titel passt gut zum Inhalt des Buches. Denn wir bewegen uns irgendwie alle auf dünnem Eis. Aber gerade die Psychopathen sind es, die zwar manchmal ein ganz normales Leben führen, aber unter bestimmten äußeren Umständen einfach zum Verbrecher werden können. Und man sieht das diesen Menschen nicht an, denn sie sind Nachbarn oder Freunde, Verwandte oder Bekannte. Mir war der Inhalt dennoch zu sachlich, ich hätte mir gewünscht, mehr Gefühl zu erleben, aber das Thema an sich gibt das gar nicht her, denn Psychopathen sind einfach nicht gefühlvoll, sie erleben weder Trauer noch Freude, weder Scherze noch Liebe so intensiv wie wir. Gerade deshalb wird es wohl schwer zu verstehen bleiben, warum jemand kein Mitgefühl mit einem Opfer hat, sondern ein Verbrechen einfach ausführt. Soviel habe ich gelernt. Wer Krimis schreibt, der kann sich hier sicher noch einige Anregungen holen, um ein gutes Verbrecherprofil zu erstellen.

Es werden echte Fälle geschildert, und das sehr eindringlich und nachvollziehbar. Allerdings erwähnt die Autorin auch gerne ihre eigene Kompetenz, warum sie sich berufen sieht, mit Straftätern zusammenzuarbeiten. Das Eigenlob ist meiner Meinung nach etwas zu vordergründig, das lässt sich dezenter verpacken.
Ich habe das Buch in der Onleihe meiner Bücherei ausgeliehen und empfehle es gerne weiter.
Die Lektüre ist trotz des schweren Themas flüssig zu lesen und leicht verständlich. Es bleiben keine Fragen unbeantwortet und ich hatte trotzdem das Gefühl, das Thema wurde umfangreich behandelt.
Liebe Grüße
Kerstin alias Yolante
 
 

 


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